NM, RM, CM, RC: Wer die Flasche wirklich gemacht hat
Ganz unten auf dem Etikett, oft in Sechs-Punkt-Schrift und meistens übersehen, stehen zwei Buchstaben und eine Nummer. Sie sind vom Comité Champagne vergeben, auf jeder Flasche Champagner verpflichtend, und sie beantworten eine Frage, die kein Marketingtext beantwortet: Wer hat diesen Wein eigentlich gemacht, und woher kamen die Trauben?
Die sechs Kürzel und was sie sagen
RM – Récoltant-Manipulant. Der Winzer bewirtschaftet eigene Lagen, keltert selbst, füllt selbst ab und vermarktet unter eigenem Namen. Zukauf ist auf maximal fünf Prozent der Trauben begrenzt. Das ist der klassische Winzerchampagner, und es ist die Kategorie, in der die spannendsten Entdeckungen der letzten zwanzig Jahre gemacht wurden – Betriebe mit ein paar Hektar, die früher an Genossenschaften geliefert haben und heute eigene Flaschen füllen.
NM – Négociant-Manipulant. Ein Haus, das Trauben, Most oder Grundweine zukauft und daraus Champagner erzeugt. Alle großen Marken tragen dieses Kürzel, weil sie deutlich mehr verkaufen, als ihre eigenen Lagen hergeben. Wichtig: Auch ein kleiner Familienbetrieb muss auf NM umstellen, sobald er nennenswert zukauft. Das Kürzel sagt also nichts über die Größe – und tatsächlich wechseln immer mehr Winzer bewusst von RM zu NM, weil sie in Frostjahren zukaufen wollen, ohne ihre Produktion halbieren zu müssen.
CM – Coopérative de Manipulation. Eine Genossenschaft, die die Ernte ihrer Mitglieder verarbeitet und unter eigenem Namen vermarktet. Genossenschaften spielen in der Champagne eine viel größere Rolle, als der Markt vermuten lässt; ein erheblicher Teil der Trauben läuft über sie.
RC – Récoltant-Coopérateur. Hier lohnt der zweite Blick. Der Winzer liefert seine Trauben an eine Genossenschaft, bekommt fertige Flaschen zurück und verkauft sie unter eigenem Namen und Etikett. Von außen sieht das aus wie Winzerchampagner – Familienname, kleiner Ort, keine große Marke –, gemacht hat den Wein aber jemand anderes.
ND – Négociant-Distributeur. Ein Händler, der fertige Flaschen kauft und mit eigenem Etikett versieht.
MA – Marque d'Acheteur. Die Handelsmarke. Der Markeninhaber hat mit der Erzeugung nichts zu tun; produziert wird von einem beliebigen Dritten. Das ist die Kategorie der Supermarkt-Eigenmarken und der Restaurant-Hausmarken.
Was das Kürzel nicht sagt
Es ist eine Herkunfts- und Strukturangabe, kein Qualitätsurteil, und man kann diesen Punkt kaum oft genug machen. Es gibt herausragende NM-Häuser mit jahrhundertealtem Handwerk und langweilige RM-Betriebe, die ihre Weine unter Wert abfüllen. Ein CM einer ambitionierten Genossenschaft mit Zugriff auf Grand-Cru-Lagen kann besser sein als ein Winzerchampagner aus mittelmäßigen Parzellen.
Was das Kürzel leistet, ist etwas anderes: Es sagt dir, welche Art von Wein du erwarten darfst. Ein RM stammt aus einem engen geografischen Ausschnitt und schwankt von Jahrgang zu Jahrgang – mehr Eigensinn, mehr Terroir, weniger Verlässlichkeit. Ein NM blendet über die ganze Region und über Jahrgänge hinweg und zielt auf Konstanz. Beides ist legitim, man sollte nur wissen, was man kauft.
Am aufschlussreichsten ist das Kürzel bei den Grenzfällen. Wenn auf einer Flasche ein Winzername steht, das Etikett handwerklich wirkt und unten RC oder MA erscheint, ist die Inszenierung Teil des Produkts. Und wenn nur eine Registriernummer ohne identifizierbaren Namen und Adresse auf der Flasche steht, hat das meistens einen Grund.
Häufige Fragen
Wo steht der Erzeugercode auf der Flasche?
Im Kleingedruckten des Vorder- oder Rückenetiketts, oft unten am Rand, gelegentlich auch auf der Kapsel. Zwei Buchstaben, gefolgt von einer Registriernummer.
Ist RM immer besser als NM?
Nein. RM beschreibt einen Betriebstyp – eigene Trauben, eigene Erzeugung –, nicht die Qualität. Große Häuser mit NM-Status gehören teilweise zu den besten Erzeugern der Region.
Was ist Winzerchampagner?
Champagner eines Erzeugers, der die Trauben selbst anbaut und den Wein selbst herstellt und vermarktet. Auf dem Etikett erkennbar am Kürzel RM.
Was steckt hinter einer Marque d'Acheteur?
Eine Handelsmarke, die von einem beliebigen Dritten produziert wird. Über die Registriernummer lässt sich der tatsächliche Erzeuger in vielen Fällen zurückverfolgen.
Warum wechseln Winzer von RM zu NM?
Weil RM den Zukauf auf fünf Prozent begrenzt. Wer nach einem Frost- oder Hageljahr zukaufen möchte, um lieferfähig zu bleiben, muss den Status wechseln.
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