Cava, Corpinnat, Clàssic Penedès: Der Bruch in Katalonien
Spanien produziert mehr flaschenvergorenen Schaumwein als jedes andere Land Europas, und über Jahrzehnte hat dieser Erfolg der Kategorie geschadet. Cava wurde zum Synonym für günstig, verfügbar und austauschbar, während einige der besten Erzeuger Kataloniens Weine machten, die mit dieser Wahrnehmung nichts zu tun hatten. Ende der 2010er Jahre eskalierte der Konflikt – und führte zu einer der interessantesten Neuordnungen im europäischen Weinrecht.
Was Cava eigentlich ist
Cava ist keine Region, sondern ein Verfahren mit Herkunftsauflagen: klassische Flaschengärung in zugelassenen Gemeinden. Rund neunzig Prozent der Produktion stammen aus dem katalanischen Penedès, aber die DO umfasst auch Zonen in der Rioja, in Aragón, Valencia und Extremadura – ein Konstrukt, das viele Erzeuger von Anfang an für schwer erklärbar hielten.
Die klassischen Rebsorten sind Macabeo für Frucht und Alkohol, Xarel·lo für Struktur, Säure und Lagerfähigkeit und Parellada für Finesse. Xarel·lo ist dabei der eigentliche Star und die Sorte, die dem besseren Cava seinen unverwechselbaren Ton gibt: Fenchel, Bittermandel, ein leicht harziger, fast salziger Zug, der mit Reife zunimmt. Dazu sind Chardonnay, Pinot Noir, Subirat und für Rosé die katalanische Trepat zugelassen.
Die Reform von 2022 hat die Qualitätsstufen neu geordnet. Cava de Guarda verlangt mindestens neun Monate Hefereife. Darüber steht Cava de Guarda Superior, das durchgängig Bio-Trauben und Reben ab zehn Jahren voraussetzt, mit den Stufen Reserva (achtzehn Monate), Gran Reserva (dreißig Monate) und Paraje Calificado für Einzellagen (sechsunddreißig Monate, Handlese, Jahrgangsangabe). Zusätzlich wurden geografische Zonen eingeführt, allen voran Comtats de Barcelona für das Penedès-Herz.
Warum die Besten trotzdem gegangen sind
Die Reform kam zu spät. 2019 verließ eine Gruppe von Spitzenbetrieben die DO Cava und gründete Corpinnat – der Name aus Cor de Penedès, Herz des Penedès. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Recaredo, Gramona, Torelló, Llopart, Nadal, Sabaté i Coca, Huguet de Can Feixes, Júlia Bernet und Mas Candí.
Die Auflagen von Corpinnat gehen deutlich über Cava hinaus: hundert Prozent ökologisch bewirtschaftete Trauben, ausschließlich Handlese, mindestens neunzig Prozent autochthone Rebsorten, vollständige Vinifikation im eigenen Betrieb, mindestens achtzehn Monate Hefereife für die Einstiegsstufe – und ein garantierter Mindestpreis für zugekaufte Trauben, der deutlich über dem Marktniveau liegt. Der letzte Punkt ist bemerkenswert: Es ist eine der wenigen Herkunftsregeln in Europa, die den Traubenpreis ausdrücklich mitreguliert.
Rechtlich ist Corpinnat keine geschützte Ursprungsbezeichnung, sondern eine Kollektivmarke. Die Weine laufen deshalb formal als Vino Espumoso de Calidad – ein Nachteil, den die Gruppe bewusst in Kauf genommen hat.
Daneben existiert Clàssic Penedès, seit 2014 innerhalb der DO Penedès: ebenfalls hundert Prozent Bio, Flaschengärung, mindestens fünfzehn Monate Hefereife. Erzeuger wie Loxarel und Albet i Noya arbeiten dort. Und einige Betriebe, darunter Raventós i Blanc, sind ganz eigene Wege gegangen und betreiben mit Conca del Riu Anoia ein eigenes Projekt.
Was das für den Einkauf bedeutet
Die Landschaft ist unübersichtlich geworden, aber die Orientierung ist einfacher, als sie aussieht. Wer katalanischen Schaumwein auf Champagner-Niveau sucht, findet ihn heute unter Corpinnat, unter Clàssic Penedès und in der Stufe Cava de Guarda Superior – Reserva und aufwärts. Diese Weine liegen preislich zwischen Crémant und einfachem Champagner und bieten in dieser Klasse eine Reifetiefe, die schwer zu schlagen ist, weil dreißig Monate Hefereife in Spanien noch nicht dasselbe kosten wie in Frankreich.
Was man dagegen vom Einstiegs-Cava im Supermarkt erwarten darf, hat sich nicht geändert: neun Monate, Tankware-Niveau der Grundweine, ein Wein für den Mix statt fürs Glas.
Häufige Fragen
Was ist Corpinnat?
Eine Kollektivmarke katalanischer Spitzenerzeuger, die 2019 die DO Cava verlassen haben. Sie verlangt Bio-Trauben, Handlese, mindestens neunzig Prozent autochthone Sorten und mindestens achtzehn Monate Hefereife.
Ist Corpinnat noch Cava?
Nein. Die Mitglieder haben die Ursprungsbezeichnung Cava verlassen; ihre Weine laufen rechtlich als Vino Espumoso de Calidad.
Welche Rebsorten stecken in Cava?
Vor allem Macabeo, Xarel·lo und Parellada. Zugelassen sind außerdem Chardonnay, Pinot Noir, Subirat und für Rosé Trepat.
Was bedeutet Cava de Guarda Superior?
Die obere Qualitätsschiene der DO Cava seit der Reform 2022, mit Bio-Trauben, Reben ab zehn Jahren und den Stufen Reserva, Gran Reserva und Paraje Calificado.
Wie lange reift Cava auf der Hefe?
Cava de Guarda mindestens neun Monate, Reserva achtzehn, Gran Reserva dreißig und Paraje Calificado sechsunddreißig.
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